Mit einer eindrucksvollen Enthüllung fand die Kunst- und Veranstaltungsreihe „Richard zieht ein – und Walhall wird lebendig“ am Donnerstagabend im Rathaus Eckersdorf ihren krönenden Abschluss. Zahlreiche Gäste waren gekommen, um das letzte Kunstwerk der Reihe von Künstler Thomas Brix zu erleben. Dabei verwandelte sich das Rathaus für einen Abend tatsächlich in eine geheimnisvolle Drachenhöhle: Nebelschwaden, stimmungsvolles Licht und die besondere Inszenierung steigerten die Spannung bis zum Moment der Enthüllung.
Bürgermeisterin Sybille Pichl eröffnete den Abend mit einem Grußwort, in dem sie die vielfältigen Bezüge Eckersdorfs zu Richard Wagner hervorhob. Sie verwies auf das Wagnerzimmer, das Salamandertal und die lebendige Kulturszene der Gemeinde. Besonders stolz zeigte sie sich auf die große Zahl künstlerisch aktiver Bürgerinnen und Bürger. Ebenso freute sie sich über die musikalische Begleitung des Abends durch Musiker aus Eckersdorf, darunter Mitglieder von Willie & The Playboys mit Sänger Manuel Pensky, einem echten Eckersdorfer Urgestein.
Landrat Florian Wiedemann betonte in seinem Grußwort die Bedeutung der Übertragung alter Mythen in die Gegenwart. Gerade die Verknüpfung von Richard Wagner, regionaler Identität und zeitgenössischer Kunst zeige eindrucksvoll, wie kulturelles Erbe neu interpretiert und lebendig gehalten werden könne. Er dankte allen Beteiligten für die Umsetzung des außergewöhnlichen Projekts.
Unter großer Spannung erfolgte schließlich die Enthüllung des Kunstwerks durch Projektleiterin Monika Pellkofer vom Regionalmanagement der Region Bayreuth gemeinsam mit dem Künstler Thomas Brix. Als der Vorhang fiel, wurde der „Drache“ mit begeistertem Applaus empfangen.
Im Mittelpunkt des Abends stand anschließend die künstlerische Einführung von Jens Wagner, dem 1. Vorsitzenden des Kunstvereins Bayreuth. Mit großer Sachkenntnis und einer beeindruckenden Bildsprache eröffnete er den Gästen neue Sichtweisen auf das Werk. Wagner zeigte eindrucksvoll, wie stark die Kraft einfacher Symbole sein kann.
Das Kunstwerk selbst wirkt auf den ersten Blick reduziert: Ein vergoldeter Benzinkanister wird von einem Drachen umschlungen, bewacht und fest in seinen Krallen gehalten. Gerade diese Einfachheit eröffnet jedoch vielfältige Deutungen. Der scheinbar alltägliche Gegenstand erhält durch die Vergoldung einen neuen Wert. Der Drache wird zum Sinnbild für Besitz, Gier und das Festhalten an vermeintlichen Schätzen. Es geht um die Frage, was wir heute verehren, welchen „falschen Göttern“ wir folgen und welche Werte unser Handeln bestimmen.
„Kunst darf Fragen stellen“, machte Wagner deutlich. Sie müsse keine Antworten liefern, sondern Denkräume eröffnen. Erst durch die Auseinandersetzung mit dem Werk entstünden neue Perspektiven, die ohne die Kunst möglicherweise verborgen blieben.
Besonders eindrucksvoll spannte Jens Wagner den Bogen zu Wagners Ring-Sage. Er erinnerte an die Brüder Fasolt und Fafner, deren Kampf um den Schatz, der von Gier, Besitzanspruch und Habsucht geprägt ist. Diese uralte Geschichte übertrug Wagner auf die Gegenwart. Was einst der sagenumwobene Schatz der Nibelungen war, sind heute Energie, Rohstoffe und die begehrten Ressourcen unserer Zeit. Diesen Gedanken verdichtet Thomas Brix in seinem Werk zu einem eindrucksvollen Bild, das zugleich kritisch und aktuell erscheint.
Mit Thomas Brix war durch die Fachjury für dieses Projekt eine hervorragende Wahl getroffen worden. Der über die Region hinaus bekannte Künstler steht seit Jahren für gesellschaftskritische und politische Arbeiten. Bereits seine Wettbewerbs-Skizze ließ bei der Bewerbung erkennen, dass hier eine eigenständige und mutige Interpretation des Themas entstehen würde. Das fertige Werk bestätigte diesen Eindruck eindrucksvoll.
Der Abend bildete zugleich den Abschluss einer bemerkenswerten Veranstaltungsreihe. Gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern Michael Apitz, Volker Wunderlich, Anna Hirt und Thomas Brix entstanden in Bayreuth, Goldkronach, Creußen und Eckersdorf ganz unterschiedliche künstlerische Zugänge zu Richard Wagner, seinen Geschichten und deren Bedeutung für die Gegenwart. Die Reihe verband Kunst, Geschichte, Mythologie und regionale Identität zu einer kulturellen Reise durch den Landkreis Bayreuth und machte Wagners Welt im Festivaljahr auf überraschende und niedrigschwellige Weise erlebbar.
Nach dem offiziellen Teil nutzten die Gäste die Gelegenheit zum Austausch. Für das passende kulinarische Erlebnis sorgte Regionalmanagerin Eva Rundholz mit einem eigens kreierten „Drachenbuffet“. Zwischen „Drachenblut“, süßen und feurig-scharfen Köstlichkeiten wurde noch lange über das Kunstwerk, seine Botschaften und die vielen aufgeworfenen Fragen diskutiert.
Auch wenn mit der Enthüllung des Drachen die Reihe „Richard zieht ein – und Walhall wird lebendig“ offiziell ihren Abschluss gefunden hat, bleiben die entstandenen Kunstwerke in den beteiligten Gemeinden noch einige Zeit sichtbar. Und die Begeisterung der Besucherinnen und Besucher zeigte deutlich: Gute Konzepte enden nicht mit der letzten Veranstaltung. Sie wirken nach, stoßen neue Ideen an und wecken Lust auf mehr.
So könnte Richard schon bald weiterziehen. Die Energie, die Kreativität und die starke Verbindung von Region, Kunst und Wagner haben das Potenzial, neue Wege zu gehen und weitere Kapitel zu schreiben. Die Grundlage dafür wurde in den vergangenen Monaten eindrucksvoll gelegt. Die Region darf gespannt sein, was daraus entsteht.
Die Ausstellung „Der Drache“ ist noch bis zum 16. Oktober 2026 im Rathaus Eckersdorf zu sehen.
„RICHARD ZIEHT EIN…“ wird im Rahmen der Regionalentwicklung durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert.