Natur und Umwelt

Geschmack der Heimat bewahren

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Auf der Suche nach alten Obstbäumen mit unbekannten Sorten

Obstsorten zählen nicht umsonst zum immateriellen Kulturerbe. Obstbäume prägen die Kulturlandschaft unserer Heimat; sie geben ihr ihre eigene Note und mit der Sortenvielfalt auch Vielfalt an Geschmack und Verwendung – und gleichzeitig die Basis für Anpassung. 

Alle Äpfel einer Sorte stammen ursprünglich von einem einzigen Baum. Wäre dieser eine sortengebende Baum mit den schmackhaften Äpfeln nicht gefunden worden, gäbe es heute beispielsweise die Sorte Boskoop nicht. „Um eine Sorte zu erhalten, kann diese auf einen jungen Obstbaum oder eine neue Wurzel gepelzt werden“, erklärt Apfelkenner Marco Fuchs. Mit diesem ewigen Jungbrunnen wird der Boskoop seit seiner Entdeckung 1856 von Generation zu Generation weitergegeben. 

Sortensuche neu angestoßen

Im 19. Jahrhundert gab es in Bayern über 2000 verschiedene Sorten – allein beim Apfel. Davon findet man heute noch 700. Zur Unterstützung der Sortenvielfalt bei Äpfeln und Birnen sucht die Regierung von Oberfranken nun alte Bäume mit unbekannten Sorten. „Die meisten lokalen Sorten wurden bis circa 1940 neu gepflanzt“, erklärt Streuobstkoordinator Dominik Frieling. Genau diese alten Bäume stehen jetzt langsam am Ende ihres Baumlebens. Mit dem „Generationswechsel“ auf den Streuobstwiesen gehen diese alten Sorten nun verloren. 

Alte Sorten sind besonders 

Diese Sortenvielfalt zu erhalten, ist wertvoll und wichtig. Es gibt nicht nur für jeden Geschmack einen passenden Apfel – denn Geschmäcker sind ja bekanntlich unterschiedlich, sondern auch eine enorme Vielfalt bezüglich der Verwertung der lokalen Kultursorten. „Außerdem ist eine breite Vielfalt von Sorten die Grundlage für Anpassung“, ergänzt Streuobstberaterin Amrei Schindelmann vom Landratsamt. Vielleicht kennt jemand eine schmackhafte Apfelsorte, die eine Hitze wie in diesem Sommer viel besser verträgt als andere? 

Sortenentdecker und -retter gesucht

Interessant sind vor allem sehr alte Apfel- und Birnbäume ab einem Alter von 70 Jahren oder Obstbäume mit außergewöhnlichen Früchten und besonderen Eigenschaften wie Hitzeverträglichkeit. Auch Obstbäume mit einer besonderen Vorgeschichte, etwa, wenn bekannt ist, dass ein Baum vor Jahrzehnten von Vorfahren veredelt wurde, sind sehr interessant und bedeutsam. 

Wer in seiner Gemeinde solche Bäume kennt, wird gebeten, diese bis Mitte September per E-Mail mit Foto und Angabe des Standorts der Streuobstberaterin Amrei Schindelmann zu melden: amrei.schindelmann@lra-bt.bayern.de

Die Sorten der gemeldeten Obstbäume werden anschließend gesammelt bestimmt und über die Ergebnisse wird informiert.

Mehr erfahren über bekannte Sorten

Wer mehr erfahren möchte über zuletzt wiederentdeckte Sorten wie die kleine Pfalzgräfin oder die Rötliche Renette, ist herzlich eingeladen zum Sortenspaziergang der Streuobstallianz Bayreuth mit Marco Fuchs am Kirchberg in Gesees. Termin ist am Samstag, den 19. September, von 15 bis 17 Uhr. Treffpunkt ist am Torbogen vor der Geseeser Kirche. 

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