Kunst und Kultur

Richard ist eingezogen

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Michael Apitz begeistert zum Auftakt von „Richard zieht ein – und Walhall wird lebendig“ in der Schlossgalerie Bayreuth

Wenn Richard Wagner 150 Jahre nach den ersten Bayreuther Festspielen die Schlossgalerie betreten hätte, wäre er vermutlich stehen geblieben, hätte geschmunzelt und die Farben auf sich wirken lassen. Ob ihm die Bilder gefallen hätten? Auf diese Frage hatte Gastkünstler Michael Apitz bei der Schnellfragerunde die wohl schönste Antwort des Tages parat: „Wagner würde wahrscheinlich antworten wie meine Mutter: Wenn du gegenständlicher malen würdest, würde ich mir vielleicht auch mal eines aufhängen.“

Der Saal lachte. Es war einer von vielen Momenten, die die Auftaktveranstaltung von „RICHARD ZIEHT EIN – und Walhall wird lebendig“ nicht nur zu einer gelungenen Ausstellungseröffnung, sondern zu einer lebendigen Begegnung mit Kunst, Künstlern und der Region machten.

Kulturfeuer zum Festspielauftakt entzündet
Passender hätte der Zeitpunkt kaum sein können: Während am Nachmittag die Bayreuther Festspiele eröffnet wurden, entzündeten Stadt, Landkreis, Kunstverein und Festival150 bereits am Vormittag ihr eigenes kulturelles Feuer inmitten der Schlossgalerie. Mehr als 70 Gäste waren der Einladung gefolgt. Darunter Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kultur und den Partnerstädten Bayreuths sowie zahlreiche Kunstinteressierte, die gemeinsam den Startschuss für ein außergewöhnliches Regionalprojekt feierten.

In seinen Grußworten betonte Landrat Florian Wiedemann die besondere Bedeutung der Initiative weit über die Stadtgrenzen hinaus: „Die Ausstrahlung der Bayreuther Festspiele endet nicht an der Stadtgrenze. Sie reicht weit hinaus in die gesamte Region.“ Genau diesen Gedanken greift das Projekt auf. Als künstlerische Hommage an 150 Jahre Bayreuther Festspiele verbindet „Richard zieht ein“ Stadt und Landkreis zu einer gemeinsamen Erzählung. Wagner wird dabei nicht museal betrachtet, sondern neu interpretiert – über die großen Motive des Rings: Schatz, Held und Drache.

Vom Grünen Hügel hinaus in die Region
Oberbürgermeister Dr. Andreas Zippel würdigte die Schlossgalerie als lebendigen Kulturort und spannte den Bogen von der internationalen Strahlkraft des Festspielhauses hin zu neuen Orten kultureller Begegnung. Gerade im Jubiläumsjahr werde deutlich, dass kulturelle Strahlkraft nicht allein auf dem Grünen Hügel entstehe, sondern überall dort, wo Kunst Menschen zusammenbringe.

Michael Apitz im Mittelpunkt des Auftaktes zu Veranstaltungsreihe
Im Zentrum der Auftaktveranstaltung stand der renommierte Maler, Grafiker und Comiczeichner Michael Apitz aus dem Rhein-Taunus-Kreis, dessen Werke die Besucherinnen und Besucher sichtbar beeindruckten. Natürlich zog das markante Richard-Wagner-Porträt die Blicke auf sich. Doch Apitz hatte noch weit mehr mitgebracht. Neben bekannten Arbeiten präsentierte er drei eigens für Bayreuth entstandene Werke mit direktem Opernbezug, die erstmals öffentlich gezeigt wurden und eindrucksvoll die intensive künstlerische Auseinandersetzung mit Wagner und dessen Klangwelten offenbarten.

Besonders großes Interesse weckte ein großformatiges Diptychon, das eine Rheinlandschaft in den mythischen Kosmos des Rheingolds überführt. Aus Licht, Farbe und Bewegung entsteht darin ein Bildraum, der zwischen Realität und Legende oszilliert. Typisch für Apitz ist dabei sein malerischer Duktus: Formen lösen sich auf, Konturen verschwimmen, Farbflächen geraten in Bewegung. Was zunächst wie Landschaft erscheint, verwandelt sich zunehmend in Atmosphäre, Klang und Emotion. Gerade diese malerische Auflösung fügt sich auf faszinierende Weise in Wagners monumentale und mythologische Welt ein. Apitz illustriert Wagner nicht – er übersetzt ihn. Seine Bilder erzählen keine Opernhandlung nach, sondern schaffen einen emotionalen Resonanzraum, der die Musik sichtbar macht.

Bayreuth gewinnt gegen Wiesbaden
Für besonders viel Unterhaltung sorgte die von Monika Pellkofer initiierte Schnellfragerunde.Die Antworten kamen spontan, humorvoll und ohne langes Nachdenken – genau wie angekündigt. Auf die Frage „Bayreuth oder Wiesbaden?“ antwortete Apitz augenzwinkernd und ohne jede Verzögerung: „Heute muss ich da natürlich Bayreuth antworten.“ Auch bei weiteren Fragen bewies der Künstler Charme und Schlagfertigkeit. Das Publikum erlebte einen sympathischen, nahbaren Künstler, der sich sichtbar wohlfühlte und schnell den direkten Draht zu den Gästen fand.

Einen wesentlichen Anteil an der besonderen Atmosphäre des Vormittags hatten Marcus Pieper und Steffen Kraft von electric pulse, die mit ihrem fein abgestimmten Soundteppich die Veranstaltung musikalisch begleiteten und den Einzug Richard Wagners in die Schlossgalerie eindrucksvoll akustisch untermalten.

Richard fühlt sich in Bayreuth wohl
Am Rande der Veranstaltung entstand die Idee, das Wagner-Porträt über den ursprünglich vorgesehenen Zeitraum hinaus als Leihgabe in Bayreuth zu belassen. Der Künstler griff den Gedanken sofort auf und formulierte ihn mit jenem Charme, der den gesamten Vormittag prägte: „Richard gefällt es so gut, dass er gern etwas länger bleibt.“

Kunst verbindet Stadt und Region
Neben Michael Apitz wurden übrigens auch die weiteren Projektstationen vorgestellt. Regionalmanagerin Monika Pellkofer führte die Gäste durch das Gesamtkonzept und stellte die künstlerischen Beiträge der drei Landkreispositionen vor.

Besonders erfreulich war, dass alle drei beteiligten Künstler anwesend waren:

  • Volker Wunderlich (Goldkronach – Der Schatz)
  • Anna Hirt (Creußen – Der Held)
  • Thomas Brix (Eckersdorf – Der Drache)

Ihre Beiträge werden in den kommenden Monaten die Wagner‘schen Motive Schatz, Held und Drache neu interpretieren und die Festspielidee weit über Bayreuth hinaus in die Region tragen.
 

Ein Auftakt, der Lust auf mehr macht
Letztlich lässt sich sagen: Der Funke ist übergesprungen. Michael Apitz begeisterte mit seiner Kunst, seinen neuen Bayreuth-Werken und seiner humorvollen Art. Die Schlossgalerie erwies sich als idealer Ort für den Auftakt, die Gespräche zwischen Künstlern, Gästen und Projektpartnern dauerten noch lange nach dem offiziellen Programm an. So begann die Reise durch Schatz, Held und Drache mit genau dem, was das Projekt auszeichnet: Begegnung, Kreativität und dem Willen, gemeinsam etwas zu schaffen, das über den Moment hinaus wirkt. Richard ist eingezogen. Walhall wird lebendig. Und wenn es nach Michael Apitz geht, bleibt Richard sogar noch ein bisschen länger in Bayreuth.

Die Ausstellung mit den Werken von Michael Apitz ist noch bis 23. August 2026 im Rahmen der 76. Bayreuther Kunstausstellung in der Schlossgalerie Bayreuth zu sehen. Und bereits der nächste Höhepunkt steht bevor: Am Donnerstag, 6. August 2026 um 17 Uhr wird im Landratsamt Bayreuth die Ausstellung „Sommergalerie meets Festival150“ eröffnet. Dort geben die Landkreiskünstler Volker Wunderlich, Anna Hirt und Thomas Brix weitere Einblicke in ihre künstlerische Arbeit. Als weitere Stationen im Projekt folgen: Goldkronach (11.09.), Creußen (17.09.) und Eckersdorf (24.09.)

Alle Informationen unter: region.bayreuth.de

Auf dem Foto v. l. n. r.: Thomas Birx, (Künstler Eckersdorf), Sybille Pichl (Erste Bürgermeisterin Eckersdorf), Anna Hirt (Künstlerin Creußen) Florian Wiedemann (Landrat Landkreis Bayreuth), Wieland Pietsch (Zweiter Bürgermeister Goldkronach), Volker Wunderlich (Künstler Goldkronach) Monika Pellkofer (Projektverantwortliche, Regionalmanagerin Region Bayreuth), Sebastian Norck (Leitung Regionale Entwicklungsagentur), Florian André Unterburger (Projektleitung Festival150), Michael Apitz (Künstler), Jens Wagner (1. Vorsitzender Kunstverein Bayreuth), Dr. Andreas Zippel (Oberbürgermeister Stadt Bayreuth). Quelle: LRA Bayreuth

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