Nach langer Vorplanung durften vor einigen Wochen sieben Galloway-Rinder auf die Weide in der Haidenaabaue bei Speichersdorf einziehen. Im Naturschutz- und Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiet „Haidenaabtal und Gabellohe“ werden sie nun bis in den Herbst hinein die Gräser kurzhalten und für mehr Struktur und Artenvielfalt sorgen.
In den letzten Jahrzehnten fand auf den Feuchtflächen nördlich des Sportplatzes von Speichersdorf keine landwirtschaftliche Nutzung mehr statt, mit fatalen Folgen für die Artenvielfalt. Die Flächen wurden früher noch extensiv gemäht und der Aufwuchs als Einstreu für Ställe oder auch als Futter für Tiere verwendet. Durch die Veränderung und Modernisierung der Landwirtschaft wurde das Mähgut der Feuchtwiesen nicht mehr gebraucht und somit nutzlos. Zusätzlich führte die Wiedereinwanderung des Bibers im Haidenaabtal zur Vernässung der Flächen, was eine Befahrung der Flächen und eine Mahd unmöglich machte.
Durch die fehlende Nutzung wurde vor allem das Rohrglanzgras gefördert. Blütenreiche Kräuter verschwanden und damit auch viele Insekten wie z.B. Tagfalter, die auf Blüten als Futter angewiesen sind. Das abgestorbene Gras bleibt als Streuschicht auf der Fläche liegen und erschwert vor allem Heuschrecken die Eiablage in den Boden. Auch Blumen, deren Keimung nur auf offenen Bodenstellen stattfinden kann, verschwinden.
Der Managementplan des FFH-Gebietes „Haidenaabtal und Gabellohe“ schreibt daher deutlich die Wiedereinführung einer extensiven Nutzung auf den Flächen vor. Da der Biber im Naturschutzgebiet zu dulden ist und die Flächen immer noch sehr nass sind, war nur die Nutzung durch eine Rinderbeweidung denkbar.
Vor vier Jahren wurde mit der Projektplanung durch die Biodiversitätsberaterin Birgit Elitzer-Böhner vom Landratsamt Bayreuth begonnen. Die Grundstückseigentümer, der Bund Naturschutz und die Gemeinde Speichersdorf unterstützten sofort das Projekt und stellten ihre Flächen zur Verfügung. Bürgermeister Christian Porsch überzeugte seinen Gemeinderat und übernahm die Trägerschaft des Projektes und zehn Prozent der Finanzierung. Die Gemeinde beantragte bei der Regierung von Oberfranken Fördermittel über die Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie (LNPR) in Höhe von 30.000 Euro für den Zaunbau und die Vorbereitung der Weidefläche.
Um ein Jahr verzögert wurde die Umsetzung vor allem durch den Ausgabestopp der LNPR-Mittel im Jahr 2025 durch das bayerische Umweltministerium. Im Herbst 2025 kam dann doch noch die Zusage der Mittel, so dass der Zaunbau im Oktober letzten Jahres beginnen und im März 2026 fertiggestellt werden konnte.
Das Landwirtspaar Barbara und Wolfgang Müller aus Haidenaab unterstützten das Projekt durch die Betreuung der Zaunbaufirma vor Ort und die Durchführung der Zauntrassenfreistellung. Seit Mitte April weiden nun ihre Galloway-Rinder und schaffen erste Strukturen für mehr Artenvielfalt. Die Beweidung in den nächsten fünf Jahren, der Dauer der Zweckbindung des Projektes, wird von Stefanie Jessolat vom Landschaftspflegeverband Weidenberg und Umgebung betreut.
Am 1. Juni 2026 präsentierten alle am Projekt Beteiligten der Öffentlichkeit die ersten Ergebnisse der „Naturschutzarbeit“ der Rinder. Erfolge sind schon zu sehen – Strukturen wie kurzrasige Flächen, offene Bodenstellen und Saumbereiche sind schon entstanden. Diese müssen jetzt nur noch von allerlei Tieren wie Insekten, Vögeln, Amphibien und Reptilien als Lebensraum wiederentdeckt werden. Die Kuhfladen der Rinder wurden schon von zahlreichen Fliegenlarven und Dungkäfern besiedelt.
Foto (von links): Landwirte Wolfgang und Barbara Müller, Biodiversitätsberaterin Birgit Elitzer-Böhner von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Bayreuth, Bürgermeister Christian Porsch, Stefanie Jessolat vom Landschaftspflegeverband Weidenberg und Umgebung.