24.10.2017

Literaten in Waischenfeld

50 Jahre nach dem legendären Pulvermühle-Treffen

Literaten in Waischenfeld
50 Jahre nach dem legendären Pulvermühle-Treffen


Zum Hintergrund:
Vom 5. – 9. Oktober 1967 tagte die „Gruppe 47“ zum 31. Mal – und zwar in der Pulvermühle in Waischenfeld. Hinter der Gruppe verbargen sich einige Dutzend Dichter und Schriftsteller – unter ihnen die berühmtesten Poeten der Republik. Hans Werner Richter hatte sie im Jahre 1947 gegründet. Schon bald galten die Gruppentreffen als „Talentschmiede“ und literarische „Informationsbörse“. Oft meldete sich die Gruppe am Ende der Tagungen mit Petitionen, Protesten und offenen Briefen zu aktuellen politischen Problemen zu Wort. 1967 wirft der Vietnamkrieg seine Schatten, Kurt-Georg Kiesinger ist Bundeskanzler und in Berlin gehen Studenten der außerparlamentarischen Opposition auf die Straße und protestieren gegen den Vietnamkrieg, gegen Notstandsgesetze und Wiederaufrüstung, gegen Hochschulreform und Pressekonzentration. Ihre Straßenschlachten mit der Polizei beunruhigen die Republik. Studentenproteste fanden übrigens auch während der Tagung vor der Pulvermühle statt, in der die Crème de la Crème der deutschen Nachkriegsliteratur versammelt war.

Weitere Infos unter www.gruppe47.de.

Das Treffen vieler Nachkriegsautoren, 50 Jahre nach der letzten offiziellen Tagung der  Gruppe 47 war ein Erfolg, das bescheinigte auch einer der profiliertesten Vertreter dieser Zunft, Friedrich Christian Delius, den es freute, dass ein "Veteranentreffen" die Autoren für einige Stunden in den Vordergrund rückte, die nach dem Krieg maßgeblich am demokratischen Aufbau Deutschlands und einer eigenständigen deutschen Literaturszene beteiligt waren.

"Wir waren ja nach dem Krieg völlig isoliert von der europäischen Literatur", bekannte Walter Hinderer während einer Podiumsdiskussion auf der Waischenfelder Burg. Der "alte" Schreibstil des Nazi-Regimes war passe, ein neuer nicht in Sicht. So blieb den Schriftstellern, die allesamt auch den Weltkrieg mitgemacht hatten nichts anderes übrig, als selber aktiv zu werden, meinte auch die Zeitzeugin Elisabeth Plessen, die ebenfalls an der Diskussionsrunde teilnahm. Ursprünglich war eine Literaturzeitschrift geplant meinte Hinderer, doch der "Ruf" wie sie die Neuerscheinung nannten, wurde von den Besatzern als zu linkslastig verboten, noch ehe sie auf den Markt kam. Was blieb? Die Gruppe der Neu-Schriftsteller und Journalisten las sich die eigenen Texte gegenseitig vor und kritisierte sie. Daraus entstand die "Gruppe 47". Die aber nie eine Vereinigung nach klassischem Muster war, betonte Zehra Cirak, sondern eine "Truppe solidarischer Menschen". Oder um es mit den Worten des "Erfinders" Hans Werner Richter zu sagen: "Die Gruppe 47 war ein Verein, der keiner war".

Was ist aus der Literaturszene nach dem Nachkriegsdeutschland geworden? "Eine unpolitische Literaturszene" meint Jungstar Simon Strauss, der zusammen mit Nora Bossong den Nachwuchs während des Erinnerungswochenendes repräsentierte. Die Zeiten eines politischen Günther Grass mit stundenlangen Interviews sind längst vorbei, "heute sind wir froh, wenn von zehn beantworteten Fragen zu aktuellen Themen, wie dem Verhältnis zur Afd, drei in einer Kultursendung gebracht werden". Das zeigt, so Bossong weiter, das der Stellenwert nicht mehr der gleich große ist wie früher. Und die Flut der Informationen, die täglich auf uns herabprasseln, "sorgen dafür, dass Nachrichten und Meinungen nur noch in kleinen Häppchen verabreicht und moderne Literatur oberflächlich behandelt und abgefertigt wird".

 

Eine Ausstellung zur legendären Dichter- und Schriftstellergruppe 47 kann vom 15.01. bis 09.02.2018 im Foyer des Bayreuther Landratsamtes betrachtet werden.

 

 

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